Ökumenische Eröffnung der Wanderausstellung „Gott liebt die Fremden“

Abraham und Sara
Abraham und Sara – zeitlebens Migranten. Diese Tafel steht exemplarisch für 11 weitere in der oberen Etage des Bürgerhauses, von denen in der Bibel über Flucht und Fremdsein zu lesen ist. Foto: B. Gbureck

Artikel von Brigitte Gbureck

In insgesamt zwölf Ausstellungstafeln wird der Bogen von Flucht und Vertreibung in der Bibel zur aktuellen Situation mit Flüchtlingen in unserer Mitte geschlagen. Diese Tafeln sind in einer Ausstellung in der oberen Etage des Bürgerhauses zu sehen, die am Dienstagabend durch die Initiatoren eröffnet wurde. Zunächst begrüßte Pfarrer Andreas Werner im Namen der beiden hiesigen kirchlichen Gemeinden Bürgermeister Eberhard Streit und die Besucher und bedankte sich bei der Stadt und beim Verein “Aktives Mellrichstadt” für die Bereitstellung der Räume. Dass der Bürgermeister hier sei, zeige, dass nicht nur ein sehr gutes Miteinander zwischen Stadt und den Kirchengemeinden gepflegt werde, sondern dass man sich auch als Partner verstehe, um die Herausforderungen mit den jeweils eigenen Gaben anzunehmen und zu meistern. Die Aufnahme von Flüchtlingen in der Stadt und im Landkreis sei aber nur eine neben anderen gesellschaftlichen Herausforderungen. Diese Herausforderung gelte sowohl für uns, die wir die Heimat haben und in Sicherheit leben dürfen als auch für die Flüchtlinge, die eine dramatische Grenzsituation erleben.

Initiatoren
Die Initiatoren der Wanderausstellung „Gott liebt die Fremden“ mit Bürgermeister Eberhard Streit. Pfarrer Andreas Werner und Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gerda Staude (ab rechts) eröffneten am Dienstagabend in ökumenischer Manier die Ausstellung. Mit im Bild Marianne Fritz vom Solidaritätsteam. Foto: B. Gbureck

Seit Herbst 2015 leben Familien hier und seit Anfang 2016 in der Gemeinschaftsunterkunft. Seit dieser Zeit ist auch ein Helferkreis, das Solidaritätsteam, aktiv. Auch die Stadt wird von Pfarrer Werner gewürdigt, die innerhalb der Verwaltung personelle Kräfte zur Koordinierung zur Verfügung stellt. Darin ist eine recht gut gelungene Integration begründet. Dass es in einer GU auch Konflikte gibt, sollte nicht entmutigen und nicht verwundern, kämen doch hier viele Ethnien zusammen. Und man hat es mit Menschen zu tun, die alles hinter sich lassen mussten und meist nicht aus demokratischen Gesellschaften kommen. „Geht hinaus in alle Welt“, mit dieser Aufforderung Jesu sei nicht gemeint, dass wir es anders machen sollen, wenn alle Welt vielleicht zu uns kommt. Die Bibel gibt reichhaltiges Zeugnis von Menschen auf der Flucht. Ob Abraham und Sara, die zeitlebens als Migranten umherziehen, Josef, der als Fremder in Ägypten lebt, Mose, der die Israeliten wieder aus Ägypten herausführt oder Rut, die Ur-Ur-Großmutter von König David, die als Moabiterin in Israel lebt. In der Bibel heißt es, dass Gott den Flüchtlingen in besonderer Weise nahe ist. Pfarrer Werner dankte Gerda Staude, die sich um diese Ausstellung bemüht hat, an ihrer Seite die unermüdliche Marianne Fritz. In 12 Tafeln werde an prominente Fremde in der Bibel erinnert, die Ausstellung stellt biblische Schutzgebote zusammen und bildet eine Brücke zu heute. Dass das Klima zwischen den beiden hiesigen Kirchen noch nie so positiv entspannt war wie momentan, sieht Pfarrer Werner auch in der gemeinsamen Arbeit und den Herausforderungen mit den Flüchtlingen begründet. Gern hätten sich auch die evangelische Kirchengemeinschaft und Bürgermeister Streit als Repräsentant der Stadt bereit erklärt, diese Ausstellung zu ermöglichen. Dank gelte auch allen, die zum Gelingen des Integrationsprozesses beitrügen, besonders Herrn Dietz von der Verwaltung und Herrn Schulz von der Diakonie. Aber auch denen, die den beiden Kirchengemeinden nahe stehen und sich neben anderen im Helferkreis einbringen. Auch deshalb sei es hier relativ verschont geblieben von Auseinandersetzungen. Mit ihnen kann man in Mellrichstadt stets „Pferde stehlen“. Mellrichstadt sei ein gelungenes Beispiel für Integration. Glauben habe genau damit zu tun, was in dieser Ausstellung zu sehen sei und wie wir unserem Nächsten begegnen. Gemeinsam betete Pfarrer Werner mit den Besuchern das Gebet, das Papst Franziskus bei der Begegnung mit Flüchtlingen am 16. April 2016 auf der griechischen Insel Lesbos gesprochen hat.

Gerda Staude bedankte sich bei Pfarrer Werner für seine Ansprache. Auf den Tafeln würden prominente biblische Fremde vorgestellt. Es geht weiter mit der Aussage der Bibel im neuen Testament zum Thema Fremde und zeigt zum Schluss den Umgang mit Fremden, wobei nicht der moralische Zeigefinger im Vordergrund stehen soll. Der Umgang mit Fremden soll uns ansprechen. Sie lud noch für den 20.02.2017 um 19.30 Uhr zu einem Vortrag mit Frau Prof. Dr. Lautenschläger aus Würzburg, Beauftragte für interreligiösen Dialog in der Diözese Würzburg, ein, die über das Thema „Fremd und Nah: Islam in Deutschland“ referieren wird.

Bürgermeister Streit gab den Dank an die Kirchen zurück. Als Kommune sei Mellrichstadt verantwortlich für die Unterbringung der Flüchtlinge. Da sei die funktionierende Beziehung zwischen den Kirchen und der Kommune hilfreich. Es seien immer dieselben Menschen, die sich kümmerten. Viele beschäftigten sich aktuell mit dem Thema Flucht und Asyl, in typisch deutscher Manier werde viel Wert darauf gelegt, dass die Prozesse in Ordnung gebracht werden. Die ganze Diskussion sei überschattet und geprägt von grausamen Anschlägen islamistischer Terroristen, die sich im Schlepptau von echten Flüchtlingen eingeschmuggelt haben. Die Gefahr sei sehr groß, dass Menschen mit berechtigter Angst um ihre Sicherheit und die ihrer Kinder und Enkel den oberflächlichen Schluss ziehen: „Keine Flüchtlinge, keine Terroristen“. Diese einfache Logik werde im Moment von politischen Brandstiftern gern aufgegriffen, um Stimmen für andere Ziele zu sammeln. Schlecht genug, wenn es sich um national orientierte Parteien und Gruppen handelt. Eine Katastrophe aber sei es, wenn ganze Länder auf diesen Kurs einschwenken und nicht mehr zu toppen, wenn es sich um den Präsidenten der USA handelt, dem Land, das wir immer als Grundpfeiler im Kampf um die Werte gesehen haben. Bei allem aber bleibt der Mensch außen vor, welches persönliche Schicksal sich hinter jedem Flüchtling verbirgt. Das vergessen oft auch die Christen, obwohl sie wissen, dass das Fundament unserer staatlichen Ordnung auf christlichen Werten ruht und dass unsere westliche Ordnung auf der Basis von damals auch aktuellen Erfahrungen eines Krieges entscheidend mitgeprägt wurde. Das müssten wir verteidigen. Das friedliche Miteinander und Nebeneinander sei Basis für Frieden und Gemeinschaft und sollte gelebte Realität sein. In der Geschichte gebe es zu allen Zeiten Beispiele, dass dort, wo unterschiedlichste Kulturen friedlich zusammengelebt haben, sich die erfolgreichsten und kreativsten Kulturen entwickelt haben. Im Solidaritätskreis fänden sich evangelische und katholische Christen, die sich ganz selbstverständlich um muslimische Mitbürger kümmern. Streit dankte allen, die dabei mit helfen und aus tiefster christlicher Überzeugung tätig sind. „Gott liebt die Fremden“ und wir sollten es ihm nachmachen, forderte er auf.