Sammeldepot Asyl in Mellrichstadt 03.11.2015

Ergänzung und keine Konkurrenz MELLRICHSTADT (sto)

Es ist nicht immer leicht, den richtigen Weg zu finden. Fast am Ende der Industriestraße in Mellrichstadt – zwischen den Gebäuden mit den Nummern 15 und 17 – führt der Weg gleich dreimal nach links, erst dann ist man am Ziel: an der Eingangstür zum Sammeldepot von Sach- und Kleiderspenden für Flüchtlinge. Eingerichtet in einem leer stehenden Lagerraum im Innenhof des Gebäudes Nummer 15, grob geschätzt 50 Meter lang und 20 Meter breit. Und schon der erste Blick verrät, der Inhalt, also die vielfältigen Sach-und Kleiderspenden, kann sich sehen lassen. Noch dazu die Präsentation der Waren, auf einfachen Tischen und Bänken zwar – sie hat fast schon Kaufhauscharakter.
Erst wenige Wochen hat das Sammeldepot geöffnet, das Spektrum an Gebrauchsgegenständen und das Angebot an Kleidung lässt so gut wie keine Wünsche offen. Karoline Karg, Mitglied des Mellrichstädter Solidaritätsteams, hat die Verantwortung für das Depot übernommen. Und damit auch die Aufgabe, es einzurichten und die Waren zu präsentieren, die Sach- und Kleiderspenden anzunehmen und wieder auszugeben. Dazu reichen die Öffnungszeiten hinten und vorne nicht aus. Im Gegenteil, die Aufgabe ist aufwändig. Es komme keine Langeweile auf, sagt die Stadträtin, „und es macht dazu noch Spaß“.
Das Angebot an Kleidung ist natürlich am größten. Die Auswahl an Winterbekleidung ist in allen Größen vorrätig, für Männer und Frauen ebenso wie für Jugendliche und Kinder. Nun ist es nicht ganz leicht, den Geschmack der meist syrischen Neubürger zu treffen. Sie bevorzugen gedeckte bis dunkle Farben, so die Erfahrung von Karoline Karg. Und Konfektionsgrößen XXL sind eher unpassend, sprich viel zu groß.
Auch das ist eine Umgangsform, die es zu berücksichtigen gilt: Mit Feingefühl und Diskretion versucht die Depotverwalterin dem Schamgefühl muslimischer Frauen bei der Wahl von Kleidungsstücken gerecht zu werden, „man muss ihnen dabei vor allem die Privatsphäre lassen“. Neben drei weiteren Frauen, die im Depot-Team mithelfen und Waren auspacken, einsortieren und ordnen, kann Karoline Karg vor allem auf Tochter Claudia zählen. Gut, wenn man mit ihr jemand zur Seite hat, der Logistik studiert hat. So hat Claudia die Kleidungsstücke Geschlechter-getrennt ausgezeichnet, nach Größe und Art der Bekleidung sortiert und auf weißen Blättern kurz in englischer Sprache beschriftet. Beispiel: woman, dazu das Frauensymbol, jacket small oder jacket medium big. Weitere Sachbereiche sind Schuhe, Bettwäsche mit Feder- und Daunendecken, Hand- und Badetücher, Büchertaschen wie auch Matratzen, sowie allerlei Geschirr und Haushalts-Artikel. Auch zwei Fahrräder sind darunter, verkehrssicher allemal, und Spielzeuge jeglicher Art, die Kindern Freude machen. Wie im Falle einer Mutter mit Kind, dem es zunächst ein Rutschauto angetan hatte. Als es dann ein Musikinstrument entdeckt hatte, so konnte Karoline Karg beobachten, gab die Mutter ihrem Sprössling aber zu verstehen, dass er sich für eines entscheiden müsse. „Die Freude hat schließlich bei dem Kind überwogen, nicht die Gier nach mehr.“
„Es ist toll, was uns hier gebracht und angeboten wird“, versichern Mutter und Tochter Karg. Und betonen ergänzend dazu: „Hauptsache, die gebrauchten Sachen sind von einwandfreier Qualität.“ Wie an diesem Montagnachmittag, der gleich zu Beginn der Öffnungszeit einen regen Besucherverkehr verzeichnete. Mit wirklich angenehmen Begegnungen, dokumentiert am Beispiel einer Mutter, die samt Sohn ihre „Warenlieferung“ bei Karoline Karg ganz locker mit den Worten ankündigte: „Du wirst dich umgucken, was du alles kriegst.“ Und Mutter und Sohn fingen an auszupacken: „Alles frisch gewaschen und aus der Reinigung.“ Bekleidung in Größen, die den syrischen Neubürgern passen, noch dazu in dunklen Farben – Qualitätsware quasi wie von Karoline Karg bestellt. Auf deren Frage „Was könnt ihr noch brauchen? Was ist dringend?“ folgte prompt Kargs Hinweis auf Winterschuhe für Männer.
Wichtig ist festzuhalten: Das Sammeldepot in Mellrichstadt ist keine Konkurrenz zum Gebrauchtwaren-Kaufhaus und zur Rotkreuz-Kleiderkammer in Unsleben – vielmehr eine Ergänzung. Das Depot kommt einer Bitte aus der Bevölkerung nach, eine solche Einrichtung – zeitlich begrenzt und wohnortnah – für die Neubürger im VG-Bereich anzubieten. Dank der Mithilfe der Geschäftsführung der Firma Reich, die den Lagerraum zur Verfügung stellt, funktioniert bislang alles wie bestellt. Jederzeit willkommen sind Mithelferinnen für das Depot, sie melden sich unter Handy 0157/58392174 (Karoline Karg).
Geöffnet ist das Sammeldepot jeweils am Montag von 14 bis 16 Uhr und am Donnerstag von 10 bis 12 Uhr

von Georg Stock