ASYL-Solidaritätsteam – Sitzung III 11.11.2015 MELLRICHSTADT (sto)

Das System bekommt Strukturen. Und kommt in Schwung. Mit diesem Fazit ging am Montagabend ein weiterer Besprechungstermin der Arbeitsgruppensprecher des Solidaritäts-Teams – Synonym für den Mellrichstädter Asyl-Helferkreis – zu Ende. Im Mittelpunkt: Das System der Hilfe, das für die kommenden Neubürger – vorwiegend Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Iran sowie Eritrea – zur Selbsthilfe führen soll. Nach zweieinhalb Stunden mit einer Fülle von Informationen für die freiwilligen Helfer des Kernteams brachte es Bürgermeister Eberhard Streit auf den Nenner: „Ich freue mich, dass wir schon so weit sind.“
Es geht also voran. Und das ist gut so, denn noch vor Weihnachten werden nach den Worten des Bürgermeisters wohl die ersten Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft, kurz GU, einquartiert werden. Wie viele in der ehemaligen Zweigstelle der Kreisberufsschule einmal einziehen, ob es 80 bis 100 oder mehr Flüchtlinge sind, könne niemand sagen, so der Bürgermeister. Mit Hochdruck jedenfalls werden dort die Umbauarbeiten vorangebracht. Also für Streit jetzt der richtige Zeitpunkt, sich zu hinterfragen, ob die Strukturen, die das Solidaritäts-Team im Laufe des Jahres geschaffen hat, stimmen beziehungsweise wo es etwas zu verbessern gibt.
Die Hilfe für die Neubürger vor Ort zu strukturieren, ist für Bürgermeister Streit das A und O. Deshalb hat er auch einen „hauptamtlichen Kümmerer“ installiert – in der Person von Helmut Dietz, Leiter des Bürgeramts, dem als Koordinator eine wichtige Aufgabe zukommt. „Unsere Hilfe muss nachhaltig sein“, schließlich sei die Aufnahme von Flüchtlingen keine Sache nur von Wochen oder Monaten. Streit: „Es gilt, eine Organisation aufzubauen, die lange trägt und den Einzelnen nicht überfordert.“ Und zieht im Hinblick auf das Engagement der ehrenamtlichen Helfer den Vergleich mit der freiwilligen Feuerwehr heran. In Flüchtlingsfragen ist sie eine Expertin, Monika Hofmann von der Diakonie in Schweinfurt.
Ehe sie aus ihrer reichen Erfahrung – im Landkreis Schweinfurt gibt es immerhin 15 aktive Helferkreise – referierte, galt ihre Anerkennung allen Freiwilligen: „Ohne Ehrenamtliche geht es nicht.“ Was die Betreuung der Flüchtlinge vor Ort betreffe, „kann das keine Verwaltung, keine Organisation leisten“. Wichtig nannte sie aus ihrer Sicht, Netzwerke unter den Helferkreisen zu schaffen, so dass diese strukturell von den Erfahrungen untereinander profitieren können. Sei es zum Beispiel, dass ein Behördenbegleiter gebraucht und gesucht wird, eine Sprechstunde für Formularhilfe angeboten wird oder ein Dolmetscher als Sprachmittler zur Verfügung steht. Ihre Ratschläge und Tipps dazu wurden in Mellrichstadt gerne angenommen. Integration, und darauf zielt ja die Hilfe für die Neubürger ab, heißt nach den Worten von Monika Hofmann „Begleitung auf Zeit“.
Genau das haben auch die freiwilligen Helfer des Solidaritäts-Teams im Sinn, das sich nun innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Mellrichstadt als Einheit versteht. Aus dem Stadtteil Frickenhausen wie aus den VG-Gemeinden Oberstreu und Stockheim gehören jeweils zwei freiwillige Mitglieder dem Helfer-Kernteam an. Auch in Hendungen, so war zu hören, werden über kurz oder lang Flüchtlinge einquartiert werden.
So nutzte nun Helmut Dietz seinerseits dieses Treffen, um den Stand der Dinge, sprich die entsprechenden Vorbereitungen in den jeweiligen Arbeitsgruppen, abzurufen. Dabei informierte er zunächst darüber, dass ein Treffpunkt-Cafe – in der Art als Kontakt-Cafe – eingerichtet wird: als Begegnungsstätte mit Internetanschluss im Treffpunkt in der Bauerngasse 63. Für den Kauf der PCs stehen der Stadt Sponsorengelder zur Verfügung, „das Geld ist somit gut angelegt“, so der Bürgermeister.
Der Helfergruppe Sprache kommt eine elementare Bedeutung zu. Schließlich ist die Sprache der Schlüssel zur Integration der Neubürger. Eine Aufgabe, der sich die Volkshochschule Rhön und Grabfeld als Bildungsträger im Besonderen annimmt. Wie Vhs-Leiter Klaus Schemmerling erläuterte, werden Vhs-Sprachkurse für Erwachsene – Kursdauer 320 Stunden – gefördert. Darüber hinaus warb er um ehrenamtliche Sprachbegleiter, die in einer Art Patenschaft die Sprachkenntnisse der Erwachsenen vertiefen. Mit dem ersten Sprachkurs für maximal 20 Personen will Schemmerling sobald als möglich beginnen. Für die Belegung und Einteilung der Kurse wird vor allem Dolmetscher Mustapha Honneineh ein wichtiges Bindeglied sein. Entsprechende Vhs-Sprachkurse sollen, so kündigte Schemmerling weiter an, in Absprache mit der Diakonie auch in Ostheim und Fladungen eingerichtet werden.
Ein Zeichen, sprich ein Dankeschön für die vielfältige Unterstützung seitens der Bevölkerung will Marianne Fritz, Sprecherin des Solidaritäts-Teams, mit einem Nachmittag der Begegnung setzen. Am Sonntag, 29. November, steht die Carl-Fritz-Stube in Mellrichstadt von 14 bis 17 Uhr für die Neubürger und die Einheimischen weit offen

von Georg Stock